EU-Parlament stimmt für eine Verlängerung von Glyphosat

In dieser Woche hat das Europäische Parlament über die Zulassungszeit des umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat abgestimmt. Mit großer Mehrheit hat sich das Parlament dafür ausgesprochen, das Mittel schrittweise bis 2022 vom Markt zu nehmen. „Es ist gut, dass es nicht zu einem direkten Verbot gekommen ist, da es so einen angemessenen Zeitraum gibt, um nach möglichen Alternativen zu suchen und sich genauer mit der Thematik zu befassen“, meint der CDU-Europaabgeordnete Sven Schulze.

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat hat bereits in der Vergangenheit für viel Aufregung gesorgt. Die Bevölkerung ist beunruhigt über den Gebrauch des Mittels, der Agrarsektor ist allerdings noch auf das Mittel angewiesen. In den vorgeschlagenen fünf Jahren soll das Pflanzenschutzmittel nun aber nur noch unter strengen Auflagen eingesetzt werden. Zum Beispiel soll die Verwendung von Glyphosat kurz vor der Ernte europaweit verboten werden, wie es in Deutschland bereits der Fall ist. Durch diesen Auslaufzeitraum wird es beispielsweise dem Agrarsektor ermöglicht nach passenden Alternativen für Glyphosat zu suchen. „Auch für uns in Sachsen-Anhalt, wo über die Hälfte der Fläche des Landes landwirtschaftlich genutzt wird, ist das ein wichtiges Thema. Daher benötigt es Zeit, um den Einsatz von Glyphosat effizienter zu machen beziehungsweise Glyphosat zu ersetzen“, so Sven Schulze. Hinzu kommt, dass es auch andere Abnehmer gibt, wie die Deutsche Bahn, die das Mittel einsetzt, um ihre Schienen freizuhalten oder Städte und Gemeinden, die Unkraut auf öffentlichen Wegen bekämpfen. Wichtig ist es, dass der Missbrauch der Chemikalie, wie zum Beispiel von Bauern, die den Erntezeitpunkt optimieren wollen, eingeschränkt wird. Die angestrebten Verschärfungen der Auflagen zur Nutzung von Glyphosat übersteigen auch die bis jetzt geforderten Auflagen der Europäischen Kommission. Diese Abstimmung im Europäischen Parlament ist jedoch nicht binden, sondern nur als Empfehlung an die Europäische Kommission und Rat zu sehen. Nach der Entscheidung im Plenum hat sich allerdings auch die Europäische Kommission von ihrer Forderung der Verlängerung von Glyphosat für 10 Jahre verabschiedet und sich für eine Übergangszeit von 5 bis 7 Jahren ausgesprochen.

Wie es mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat weitergehen wird, entscheidet nun der zuständige Ausschuss im europäischen Rat. Die für heute (25.10.2017) geplante Abstimmung wurde allerdings vertagt. In den nächsten Wochen will die Kommission weiter mit den Mitgliedsstaaten an einer passenden Lösung arbeiten. Diese Entscheidung muss allerdings bis Ende des Jahres fallen. Denn gibt es bis dahin keine Mehrheit für eine Verlängerung, wäre Glyphosat im kommenden Jahr in der EU verboten. Durch die aktuelle politische Situation in Deutschland, wird sich voraussichtlich die Bundesregierung bei dieser Wahl enthalten und somit liegt das Hauptaugenmerk auf Frankreich als Richtungsweiser.