Ryanair Annullierungen – Stärkung der Flugrechte von Fluggästen in der Europäischen Union

Tausende Fluggäste in Europa sind zurzeit von den Flugannullierungen der Fluglinie Ryanair betroffen. Die Verärgerung der sitzengelassenen Passagiere ist entsprechend groß und daher befasst sich auch das Europäische Parlament diese Woche (Stand: 03.10.) mit diesem Thema.

In der Debatte ging es darum, wie die Durchsetzung der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 über Fluggastrechte besser durchgesetzt werden kann und der Verbraucher so zu seinem Recht kommt. Die Europäische Kommission hat zugesichert zu diesem Thema bereits mit den nationalen Durchsetzungsbehörden in Kontakt zu stehen und sich bereits auch an Ryanair gewandt zu haben. In einem Schreiben an die Fluglinie fordert die Kommission, dass die Rechte der Fluggäste auf Erstattung gewahrt werden, sowie die Kommunikationskanäle von Ryanair, von den Informationen über die Annullierung der Flüge bis hin zum Beschwerdeverfahren, reibungslos funktionieren muss. Voraussichtlich wird dieser Zustand noch bis März 2018 anhalten. Ob sich Ryanair daran hält, bleibt abzuwarten. Wichtig ist, dass die Fluggäste über ihre Rechte informiert sind und sie auch einfordern.

Mit der Inkraftsetzung der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 im Jahr 2005 hat die Europäische Kommission den Fluggästen, die in die EU ein und ausreisen, einen hohen Schutz vor unerwarteten Vorkommnissen ermöglicht. Die Leitlinien sollen für Reisende, Fluggesellschaften und die nationalen Behörden, deren Aufgabe es ist, für die ordnungsgemäße Anwendung der Vorschriften auf nationaler Ebene zu sorgen, Klarheit schaffen.

Für Fluggäste ergeben sich aus der Verordnung vier wichtige Ansprüche gegenüber den Fluglinien:

  1. Entschädigung bei Verspätung: Der Fluggast hat einen Anspruch auf eine Entschädigung durch die Fluglinie bei einer Verspätung von drei Stunden am Endziel.
  2. Entschädigung für einen verpassten Anschlussflug: Der Fluggast hat einen Anspruch auf eine Entschädigung bei einer großen Verspätung bei der Ankunft wegen verpasster Anschlussflüge
  3. Entschädigung bei Annullierungen: Der Fluggast hat einen Anspruch auf eine Entschädigung bei Annullierung des Fluges oder einen Anspruch auf eine anderweitige adäquate Beförderung zum Endziel
  4. Recht auf Betreuungsleistungen: Bei Annullierungen und Verspätungen sind die Fluglinien dazu Verpflichtet Betreuungsleistungen zu stellen, wie zum Beispiel Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit, Hotelunterbringungen und Telekommunikationsleistungen.
  5. Die Höhe der Entschädigungszahlungen errechnet sich durch die Länge der Flugstrecke. So erhält eine Fluggast bei einem annullierten Flug mit einer Strecke bis zu 1500 km 250€, bei einem Flug innerhalb der EU mit einer Strecke über 1500 km erhält der Fluggast eine Entschädigungszahlung in Höhe von 400€.

Doch die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 greift nur bei:

  • Flügen innerhalb der EU, die von einer Fluggesellschaft aus der EU oder einem Nicht-EU-Land durchgeführt werden.
  • Flügen aus einem Nicht-EU-Land in die EU, die von einer Fluggesellschaft aus der EU durchgeführt werden.
  • Flügen aus der EU in ein Nicht-EU-Land, die von einer Fluggesellschaft aus der EU oder einem Nicht-EU-Land durchgeführt werden.

Für Flüge aus einem Nicht-EU-Land in die EU, wie beispielsweise von der USA nach Deutschland, die von einer Fluglinie aus einem Nicht-EU-Land durchgeführt wurde, gilt die Verordnung nicht. Weiterhin greift der Schutz der EU nicht, wenn bereits Entschädigungsleistungen gezahlt wurden, die nach Vorschriften eines Nicht-EU-Landes gewährt wurden.

Die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 zum Nachlesen, sowie ein Formular für Einforderung der Entschädigungszahlungen, finden Sie unter den folgenden Links (auf Englisch):

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32004R0261&from=EN

https://ec.europa.eu/transport/sites/transport/files/themes/passengers/air/doc/complain_form/eu_complaint_form_de.pdf