Abschaffung der Zeitumstellung: Die Uhr tickt

Einst wurde die Zeitumstellung eingeführt, da man sich davon positive Effekte für die Energieeinsparung versprochen hatte. Effekte, die nachweislich nicht eintrafen, dafür Schlafstörun­gen und gesundheitliche Beeinträchtigungen. Bei einer EU-wei­ten Online-Umfrage hatten sich im Sommer 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Noch nie haben sich so viele EU-Bürger an einer Online-Umfrage beteiligt. Das Ergebnis hat zwar keinen bindenden Charakter, doch das Votum spricht eine klare Sprache. Nicht zuletzt deshalb hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker daraufhin die baldige Abschaffung der Zeitumstellung gefordert und tatsächlich sollte dieses Langzeitexperiment endlich für gescheitert erklärt und zeitnah beendet werden.

Dabei gibt es jedoch mehr zu beachten, als man vielleicht denkt, weshalb sich nun auch das Europäische Parlament mit der Thematik befasst. Zunächst jedoch müssen sich die EU-Mitgliedsstaaten auf eine gemeinsame Marschrichtung einigen und bislang haben lediglich einige wenige Länder Stellung bezogen: Polen, Lettland und Finnland sind dafür, dass die Zeitumstellung abgeschafft wird. Griechenland und Portugal sind dagegen. Deutschland hat sich noch nicht geäußert.

Unklar ist auch, welche Zeit dann künftig gelten soll: Für immer Sommerzeit oder die ewige Winterzeit? Ersteres würde für viele westeuropäische Länder im Winter einen sehr späten Sonnenaufgang zur Folge haben. In Spanien zum Beispiel würde es dann erst nach zehn Uhr morgens hell. Schlafforscher warnen jedoch, dass Tageslicht, vor allem am Morgen, wichtig für die innere Uhr des Menschen und für den Wach-Schlaf-Rhythmus sei.

Die ewige Winterzeit hingegen würde in Osteuropa zu einem sehr frühen Sonnenuntergang führen, dafür würde es mitten in der Nach schon wieder hell. Auch nicht besonders schlaffördernd. Die Abschaffung der Zeitumstellung ist also auch eine Frage der geographischen Lage.

Deshalb darf letztlich jedes Mitgliedsland selber entscheiden, welche Zeit es behalten möchte. Ein Zeitzonen-Flickenteppich gilt es aber zu vermeiden. Denn auf einer Fahrt von Norddeutschland durch die Niederlande, Belgien und Luxemburg nach Frankreich viermal die Zeitumstellen zu müssen wäre doch sehr unpraktisch. Entsprechende Absprachen sollten also getroffen werden. Zumal einer Studie der EU-Kommission zufolge unkoordinierte Zeitumstellungen zwischen den Mitgliedstaaten für den Binnenmarkt schädlich wären. „Sie würden zu höheren Kosten für den grenzüberschreitenden Handel, zu Unannehmlichkeiten im Verkehr, bei der Kommunikation und bei Reisen sowie zu einer geringeren Produktivität bei Gütern und Dienstleistungen führen.“

Es gibt allerdings bereits jetzt drei unterschiedliche Standard-Zeitzonen innerhalb der Europäischen Union, unabhängig von der EU-Sommerzeitregelung. In 17 Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, gilt die mitteleuropäische Zeit. In acht Ländern gilt die ost- und in drei Ländern die westeuropäische Zeit.