Kampf gegen Keime: weniger Antibiotika in der Tierzucht

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben in der Europäischen Union jeden Monat rund 2.000 Menschen, weil Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Neben der Humanmedizin ist ein entscheidender Teil des Problems die unkritische Anwendung von Antibiotika in der Tiermedizin. Das Europäische Parlament hat deshalb am Donnerstag beschlossen, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin künftig sehr viel stärker kontrolliert werden muss.

Jährlich sterben rund 25.000 Menschen an multiresistenten Keimen, weil Antibiotika ihre Wirkung verlieren, Tendenz weiter steigend. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht sogar von der Gefahr einer Post-Antibiotika-Ära, also der Gefahr, dass Antibiotika irgendwann gar nicht mehr wirken, wenn wir nicht handeln. Durch den unkritischen Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht geraten die Medikamente ins Essen, was letztlich die Entstehung von resistenten Krankheitserregern, etwa Salmonellen, fördert. Bereits bei der Zucht selbst können die Keime vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Landwirte oder Tierärzte, die ins Krankenhaus kommen, bringen die Keime mit, die zu Todesfällen führen können.

Das Europaparlament hat nun ein EU-weit einheitliches Tiernarzneimittelrecht auf den Weg gebracht, das den Einsatz von Antibiotika bei Tieren künftig streng reguliert. Dazu gehört, dass Antibiotika, die bei Menschen als letztes Mittel eingesetzt werden (sogenannte Reserveantibiotika), in der Tiermedizin so gut wie nicht mehr angewendet werden dürfen. Zudem fallen Fleischimporte aus Drittstaaten künftig ebenfalls unter die strengen EU-Regeln. Fleisch von Tieren, die allein zu Wachstumszwecken Antibiotika erhalten haben, darf auf dem europäischen Markt nicht mehr verkauft werden. Von den gesundheitlichen Gefahren für den Menschen abgesehen: Antibiotika sollen auf keinen Fall schlechte Haltungsbedingungen bei Tieren kompensieren dürfen.

Ebenfalls ein großes Problem ist die unkritische Anwendung von Antibiotika in der Humanmedizin. Europa hat auch hier eine Verantwortung. So brauchen wir zum Beispiel dringend bessere Anreize für die Entwicklung neuer Antibiotika. Die Europäische Kommission sollte hierzu einen Vorschlag vorlegen.