Kommission lehnt Gutscheinlösung für Tourismusbranche ab

Brüssel, 13.05.2020:
Die EU-Kommission droht Mitgliedsstaaten mit einem Vertragsverletzungsverfahren, wenn sie Gutscheinlösungen zur Entschädigung von Corona-bedingt ausgefallenen Reisen ermöglichen. Europäische Regelungen sehen in diesem Fall eine Gelderstattung vor, sofern der Kunde dies wünscht.
Der Idee, einen gleichwertigen Reisegutschein mit der Option auf finanzielle Erstattung zu einem späteren Zeitpunkt erteilte die Kommission eine Absage.
Dadurch verstärkt sich die ohnehin enorme finanzielle Belastung der oft mittelständischen Reiseunternehmen, deren Geschäftsmodell nahezu vollkommen zum Erliegen gekommen ist. Die Möglichkeit, durch Gutscheine einen angemessenen Kompromiss zwischen Verbraucher- und Unternehmerschutz wurde durch das restriktive Vorgehen der Kommission vertan.

Hierzu der Vizepräsident des Ausschusses für Verkehr und Tourismus im Europäischen Parlament, Sven Schulze:

Ich halte die Ankündigung der EU-Kommission, gegen Mitgliedsstaaten, die eine verpflichtende Gutschein-Lösungen für Pandemie-bedingt ausgefallene Reisen eingeführt haben vorzugehen, für enttäuschend. Gutscheine für ausgefallene Reisen, die zu einem späteren Zeitpunkt auf Kundenwunsch auch vollständig erstattbar gewesen wären, hätten einen großen Vorteil. Sie könnten den Corona-bedingten kurzfristigen Liquiditätsengpässen tausender, oft mittelständischer Unternehmen entgegenwirken und böten trotzdem Sicherheit für die Kunden. Das sehen einige Mitgliedsstaaten der EU genauso und haben diese Lösung für ihre Unternehmen zugelassen. Kommt es durch die Ablehnung der Gutscheinlösung durch die Kommission zu Unternehmensinsolvenzen, dann könnten am Ende auch die Verbraucher auf ihrer Rückerstattung sitzenbleiben. Dass hier zwischen geltendem EU-Recht einerseits und der teilweise existenzbedrohenden Lage tausender Unternehmen andererseits kein Kompromiss gefunden wurde, ist für mich nicht nachvollziehbar.